Aktuelle Entwicklungen auf den Stahlmärkten

Werte Kunden,

hinsichtlich der aktuell herrschenden globalen Marktsituation im Stahlhandel erreichte uns kürzlich nachfolgendes sehr informatives Schreiben vom „Bundesverband Deutscher Stahlhandel“, welches wir ihnen nicht vorenthalten möchten.

Mit freundlichen Grüßen

Norbert Thumfart     Otto Weyland jun.    Günther Berndl      Jürgen Wegscheider

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Aktuelle Entwicklungen auf den Stahlmärkten

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

mit dem heutigen Schreiben möchten wir die Entwicklungen, die in den letzten Wochen auf den globalen Stahlmärkten festzustellen waren, in Kurzform zusammenfassen.

Beginnen möchten wir mit der Nachfrageseite.

Deutschland:

Der Stahlbedarf war in Deutschland im Pandemiejahr 2020 relativ robust. Mit Ausnahme der Zeit des ersten Lockdowns in den Monaten April und Mai verlief die Nachfrage ungefähr auf Vorjahres­niveau. Klarer Treiber waren dabei die baunahen Bereiche. Insgesamt wurden 2020 laut Stahlhan­delsstatistik Deutschland 3,4 % weniger Walzstahlfertigerzeugnisse abgesetzt als im Vorjahr. Rück­gänge waren vor allem bei Stabstahl und Flacherzeugnissen festzustellen. Betonstahl konnte auf­grund der sehr guten Baukonjunktur weiter zulegen.
Ab Herbst 2020 war ein deutliches Anspringen der Konjunktur zu beobachten. Besonders die Auto­mobilindustrie hat ihre Produktion kräftig gesteigert. Auch der Maschinenbau hat an Fahrt aufge­nommen.

Europa:

Ähnlich gestaltet sich das Bild in anderen europäischen Ländern, die 2020 teilweise wirtschaftlich noch wesentlich stärker von den Auswirkungen der Covid-19 Pandemie betroffen waren.

Welt:

Besonders in China und den USA werden zurzeit milliardenschwere Investitionsprogramme gefah­ren. Dies treibt die weltweite Nachfrage nach Stahl.

Aber auch beim Angebot von Stahl gibt es bemerkenswerte Entwicklungen.

Stahlproduktion Deutschland:

Im Jahr 2020 ist die Rohstahlproduktion in Deutschland um 10 % zurückgegangen. Sie war damit so niedrig wie seit dem Krisenjahr 2009 nicht mehr. Besonders stark war der Rückgang bei der Produktion über die Hochofenroute (-13 %). Stahl, der über diese Schiene produziert wird, wird überwiegend zur Herstellung von Flachprodukten genutzt. In anderen europäischen Ländern war der Rückgang der Rohstahlproduktion teilweise noch viel eklatanter (Italien: -13 %, Frankreich: -20 %). Im ersten Quartal 2021 hat die Rohstahlproduktion in Deutschland zwar etwas zugenom­men, sie rangiert aber weiterhin deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Als Folge sind die Lieferzeiten vieler heimischer Werke meist ungewöhnlich lang. Hinzu kommt, dass einige europäi­sche Lieferwerke individuelle Schwierigkeiten haben, was sich negativ auf die Lieferfähigkeit aus­wirkt.

Weltweiter Handel:

Antidumpingzölle und die seit 2018 geltenden EU-Safeguardregelungen verhindern nennenswerte Importmengen. Bei einigen Produkten und Lieferländern sind die zollfreien Quoten schon nach we­nigen Tagen des jeweiligen Bemessungszeitraums erschöpft. Die Kontingentierung auf Quartalsba­sis erschwert zudem die Planbarkeit von Importen und steigert das Risiko, die Ware nicht zollfrei einführen zu können. Die zurzeit geltenden Regelungen laufen zum 30.06. dieses Jahres aus. Nach allem, was man aus Expertenkreisen hört, ist mit einer Fortführung der Regelungen auch nach dem 01.07.2021 zu rechnen, unter Umständen mit leichten Veränderungen.

Im Bereich der Logistik sehen wir seit einigen Monaten extreme Verknappungen und Verteuerungen bei Containern. Hier wurde in der Presse von Preissteigerungen von bis zu 400 % berichtet.

Vor zwei Wochen gab das chinesische Finanzministerium bekannt, dass bei Stahlexporten Rabatte von 13 % auf die Mehrwertsteuer gestrichen werden. Davon sollen mehr als 100 Stahlprodukte be­troffen sein. Im gleichen Atemzug hat das Ministerium Importzölle auf Eisen- und Stahlprodukte ge­senkt sowie Importzölle auf Rohstoffe gestrichen. Die Maßnahmen verfolgen den Zweck, Produkte aus chinesischer Produktion auf dem heimischen Markt zu belassen und die Kosten für Importe zu senken.

Aus Indien haben uns in den vergangenen Wochen beängstigende Bilder im Zusammenhang mit der Covid-19 Pandemie erreicht. Es war zu hören, dass als Folge auch die Stahlproduktion in einigen Regionen gedrosselt oder stillgelegt wurde.

Stahldistribution Deutschland:

Schon im gesamten Jahr 2020 hat die deutsche Stahldistribution einen ungewöhnlich niedrigen La­gerbestand bevorratet. Ende des Jahres 2020 waren es laut Stahlhandelsstatistik Deutschland 1,92 Millionen Tonnen Walzstahlfertigerzeugnisse. Dies ist der niedrigste Bestand seit der deutschen Wiedervereinigung. In den ersten Monaten des Jahres 2021 wurde dieser Bestand kaum aufgebaut. Vor allem bei Flachprodukten ist das Bestandsniveau historisch gering. Vielfach hören wir von Be­standslücken. Die Lagerreichweite belief sich bei oberflächenveredelten Feinblechen im März 2021 auf unter einem Monat. Der Schnitt der letzten Jahre lag bei etwa 1,6 Monaten.

Rohstoffe:

Auch die jüngsten Entwicklungen der für die Stahlproduktion wichtigsten Rohstoffe sind bemerkens­wert. Der Preis für Eisenerz hat sich in den letzten zwölf Monaten mehr als verdoppelt. Der Preis für Kokskohle schwankt, ist aber momentan nicht signifikant höher als vor einem Jahr. Stahlschrott hat sich in den letzten zwölf Monaten um etwa 70 % verteuert. Auch die wichtigsten Legierungselemente sind spürbar im Preis gestiegen. All dies ist aus öffentlich zugänglichen Quellen ersichtlich.

Beschaffungspreise:

Als Folge dieser Entwicklungen haben wir in Deutschland und Europa einen in dieser Form noch nicht gekannten Anstieg der Beschaffungspreise innerhalb weniger Wochen erlebt. Besonders ek­latant ist die Entwicklung bei Flachprodukten. Hier wurde bei einigen Produkten sogar von einer Verdoppelung bei den Beschaffungskosten berichtet. Bei den Langprodukten und Rohren waren die Preissteigerungen Anfang des Jahres nicht so stark. Hier ziehen die Preise aber auch in den letzten Wochen merklich an. In den USA sollen sich die Preise für Flachprodukte seit Juli 2020 gar verdrei­facht haben. Auch in China soll ein höheres Preisniveau als in Europa herrschen.

Ausblick:

Aufgrund der hohen weltweiten Nachfrage nach Stahl, bestehender Handelshemmnisse in der EU sowie der nach wie vor sehr niedrigen Lagerbestände des Handels und langer Lieferzeiten heimi­scher und europäischer Werke, ist aus unserer Sicht ein Ende der derzeitigen Marktlage zurzeit nicht absehbar.

 

Mit freundlichen Grüßen

BUNDESVERBAND DEUTSCHER STAHLHANDEL